Mein Weg zu den Igeln
Eigentlich begann meine Igelgeschichte ganz unerwartet.
Viele Jahre lebten bei uns Kaninchen in artgerechter, freier Gartenhaltung. Als ich die Haustierhaltung aufgab, verlagerte sich mein Blick auf die Tiere, die „freiwillig“ in unseren Garten kamen: Vögel, Insekten und Eichhörnchen - nur die Igel fehlten.
Der Grund war schnell gefunden: Mein Garten war wie „Fort Knox“ eingezäunt. Wo keine Lücken im Zaun sind, können Igel nicht hinein - und auch nicht hinaus. So entstand meine erste wichtige Erkenntnis: Offene Gärten retten Leben. Kleine Durchgänge im Zaun machen einen großen Unterschied.
Warum Igel unsere Aufmerksamkeit brauchen
Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigte, desto klarer wurde mir: Der Igel ist in Not.
- Immer weniger Lebensraum durch Zäune, sterile Gärten und Mähroboter.
- Insektensterben und Klimawandel erschweren die Nahrungssuche.
- Milde Winter schwächen ihre natürlichen Rhythmen.
- Viele Igel leiden unter Parasiten, Hunger oder Verletzungen.
Der Igel ist für mich ein Sinnbild für unsere Umweltkrise: ein Tier, das fast jede:r kennt und liebt - und doch still und leise verschwindet.
Deswegen brauchen diese Stachelritter der Nacht unsere Unterstützung. Insektenschwund, lange, trockene Sommer und viel zu milde Winter (Mähroboter, Straßenverkehr etc. noch on top!) sorgen dafür, dass die Igel inzwischen auf der roten Liste stehen, also als vom aussterben bedroht eingestuft werden.
Gesunde Igel zufüttern kann man übrigens mit hochwertigem Katzenfutter. Ich füttere im Winter Nassfutter und im Sommer kleinere Portionen Trockenfutter (da sammeln sich keine Fliegen drauf! Fliegeneier sind gefährlich…). Wichtig ist, dass man ein Futter ohne Gele und Soße wählt, es darf kein Getreide enthalten und sollte min 60% Fleischanteil haben. Auch gekochtes Hackfleisch, Hähnchen und schlonzig gebratenenes, ungewürztes Rührei mögen sie sehr.
Wenn man das Futter nicht offen anbieten möchte, um ungebetene Gäste wie Katzen oder Ratten fern zu halten sind Futterhäuser mit zwei Labyrinth-Eingängen/Ausgängen und Rattenklappen ideal.
Meine kleine Igel-Erste-Hilfe-Station
In engem Kontakt mit Pflegestellen habe ich mich intensiv mit den Bedürfnissen von Igeln und der Ersten Hilfe beschäftigt.
Aus privaten Gründen kann ich selbst keine Pflegestelle betreiben (dazu braucht es auch eine Zulassung!, doch ich habe in meiner Waschküche eine kleine Erste-Hilfe-Station eingerichtet.
Hier kann ich:
- verletzte oder schwache Igel kurzfristig aufnehmen
- sie untersuchen, wiegen und versorgen,
- bis sie einen Platz in einer professionellen Pflegestelle bekommen.
Und das möchte ich auch anderen Mut machen: Man braucht nicht viel Platz, nur etwas Wissen und Herz – und kann damit Leben retten.
ACHTUNG: Bitte niemals Igel ohne fachkundige Beratung pflegen oder betreuen! Wendet euch immer an professionelle Pflegestellen. Unter Anleitung und im ständigen Austausch könnt ihr Pflegestellen aber entlasten und wie ich dringende Erstversorgung oder einfache Betreuung nach der Intensivpflege bis zum Auswildern übernehmen. Das Halten von Wildtieren ist verboten, ebenso das Aussetzen.
Wichtig zu wissen:
- Ein Igel, der tagsüber herumläuft, braucht fast immer Hilfe (es gibt ein paar Ausnahmen)
- Zur ersten Sicherung reicht ein hoher Karton mit Zeitungspapier (kein Küchenkrepp) und einem Handtuch zum Verkriechen
- Gefundene Igel nicht sofort füttern, das kann bei instabilem Kreislauf gefährlich sein (nur winzige Mengen anbieten)
- Husten bei Igeln ist kein „niedriges Geräusch“, sondern oft ein Hinweis auf Lungenwürmer.
- Abgemagerte, schwankende oder apathische Tiere sind krank und müssen versorgt werden.
Hier ein paar Links zu Fachinformationen und Pflegestellen, die detailliert zeigen, wie man im Ernstfall richtig handelt:
Igel gefunden - was nun? (Aktion Tier Igelzentrum)
Igel gefunden, was tun? (Igelverein Stuttgart)
Auswilderung und Überwinterung
Inzwischen durfte ich schon mehrere Igel bei mir auswildern. Dafür gibt es spezielle Auswilderungsgehege, die sich relativ einfach einrichten lassen - oder auch selber bauen. Die hier auf dem Foto sind rundum gesichert und etwas klein, daher eher für das Überwintern gedacht, wo der Igel (hoffentlich!) eh viel schläft. Igel sind übrigens Einzelgänger und brauchen daher getrennte Gehege.
Auch gesunde Igel, die noch in den Winterschlaf können, habe ich sp schon über den Winter in einem geschützten Gehege versorgt. Im Frühling, wenn es warm genug ist, gehen sie dann über das Auswilderungsgehege im Garten Schritt für Schritt in die Freiheit zurück. Immer ein berührender Moment, wenn man die Gehegetür zum ersten Mal öffnet und man nur noch hoffen kann, dass sie sich gemerkt haben, wo es gutes Futter gibt!
Hast du Lust den Igelpflegestellen in deiner Umgebung zu helfen indem du einen Igel bei zu überwinterst (das geht auch mit Balkon z.B.!) ?
Oder möchtest du ihn auch bei dir auswildern, da dein Garten ideal ist (wild, offen, keine Gefahrenquellen in der Nähe? Dann les doch hier mal weiter:
Einen Igel gesichert überwintern (Igelpfade)
Einen Igel im Garten auswildern (Welt der Igel)
Sommerabende voller Glück (Mit unseren „Schmatzkrabblern“)
Seit ich meinen Garten igelfreundlich gestaltet habe, erlebe ich jeden Sommer etwas ganz Besonderes:
Wenn ich abends mit einem Buch oder Getränk auf der Terrasse sitze, um den Tag ausklingen zu lassen, höre ich nicht nur Grillenzirpen, sondern auch das leise Rascheln und Trapp-Trapp-Trapp im Gebüsch.
Dann kommen „meine“ Igel (und wie sie kommen… im Eiltempo!)
- sie trinken an den Wasserstellen,
- holen sich einen Snack an den Futterplätzen,
- schmatzen, schnaufen, balzen - und erfüllen meinen Garten mit Leben.
Diese Abende sind für mich pures Glück. Sie zeigen mir, wie wertvoll es ist, den Tieren ein Stück Raum zurückzugeben. Mit der Zeit lernt man sie auch unterscheiden. Es gibt größere, kleinere, dickere, dünnere, hellere, dunklere, freche, mutige, vorsichtige, langsame, schnelle und laute… Jeder hat seinen ganz eigenen Chakater!
Da Igel übriges so schön genüßlich und laut schmatzen und sie zudem so flink rennen, wenns Futter gibt, nennen wir sie liebevoll „Schmatzkrabbler“ ;-)
Wenn man sich schon etwas länger mit diesen außergewöhnlichen Tieren beschäftigt, lernt man sie ganz neu kennen - auf einer ganz anderen Ebene als vielleicht noch damals im „Sachkunde“ oder „Biologie Unterricht“. Und so entsteht dann auch ein wirklich ganz eigenes Bild der „Igel Anatomie“. Dies hab ich auf diesem Bild für Liebhaber*innen festgehalten ;-)
Mit Kunst & Infos Aufmerksamkeit schaffen
Weil Igel mir so sehr ans Herz gewachsen sind, verbinde ich meine Liebe zu ihnen auch mit meiner Kunst:
- Mit meinen Zeichnungen und Illustrationen möchte ich Aufmerksamkeit schaffen und Herzen für die Igel öffnen.
- Ich biete ein kostenloses Poster zum Download an, das ihr an eurem Gartenzaun oder im Ort aufhängen könnt, um Nachbarn und Spaziergänger für das Thema zu sensibilisieren.
- In meinem Shop findet ihr u.A. liebevoll gestaltete Produkte rund um das Thema Igel - jedes Stück trägt eine Botschaft: Lasst uns den Igeln helfen.
Zeit zu handeln
Der Igel ist ein stiller Botschafter für Natur- und Artenschutz.
Wenn wir ihm helfen, helfen wir auch vielen anderen Wildtieren – und letztlich unserer Umwelt.
Lasst uns unsere Gärten öffnen, wilder gestalten und die Igel willkommen heißen.
Hast du Igel bei dir? Egal ob ausgewildert oder sowieso schon dort: Es ist sehr hilfreich, die Nachbarn oder Passanten zu informieren. Deswegen habe ich ein Info Poster entworfen, um noch mehr Menschen für diese Tiere zu sensibilisieren. Du kannst es drucken, laminieren und aufhängen oder als kleine Flyer verteilen.
👉 Info Poster für den Gartenzaun kostenlos als PDF herunterladen
👉 Zu meinen Igel-Produkten im Shop
Vielen Dank für dein Interesse an diesen zauberhaften Tieren!