Taubenblicke: hinschauen, wo andere wegsehen
Mit meiner Seite hier und „Taubenblicke“ auf Instagram sowie Facebook möchte ich etwas sichtbar machen, das im Alltag oft übersehen oder bewusst ausgeblendet wird: das Leben der Stadttauben – mitten unter uns, und doch am Rand unserer Wahrnehmung.
Als ich mich das erste Mal intensiver mit diesen Tieren beschäftigt habe, ist etwas passiert, womit ich selbst nicht gerechnet hätte: Ich habe mich sofort in sie verliebt. In ihre sanften Bewegungen, ihre Vielfalt, ihre leisen Persönlichkeiten. Und genau deshalb trifft es mich umso mehr zu sehen, wie sehr sie leiden – nicht nur am Bahnhof in Bietigheim, sondern an vielen Orten überall.
Zwischen Beton, Verkehr und Überleben
Ein zentraler Ort, der mich nicht mehr loslässt, ist die Situation am Bietigheimer Bahnhof. Unter der großen Brücke, direkt über einer stark befahrenen, vierspurigen Bundesstraße, leben zahlreiche Tauben auf engstem Raum. Sie brüten dort in Nischen, auf Metallplanken direkt über der Fahrbahn, ziehen ihre Küken groß und viele dieser Küken stürzen früher oder später in die Tiefe. Was dann folgt, ist meist ein stilles, unbeachtetes Leid. Die Küken verhungern, sind verletzt, werden angefahren oder gar überfahren oder werden bei lebendigem Leib von Ratten angefressen. Es ist unvorstellbar grausam.
Wichtig zu verstehen ist: Stadttauben sind keine Wildtiere im eigentlichen Sinne. Sie stammen von domestizierten Brieftauben ab und sind damit vom Menschen gemacht und abhängig von ihm. Anders als echte Wildtauben, bei denen ein Eingreifen nicht erlaubt wäre, tragen wir bei Stadttauben eine Verantwortung. Es sind ehemalige Haustiere, nicht dazu gemacht in der Natur zu leben. Aber sie überleben. Unter schlimmsten Bedingungen.
Unser Einsatz: oft dort, wo niemand hinschaut
Gemeinsam mit engagierten Taubenfreund*innen, die ich durch diese Arbeit kennenlernen durfte, bin ich regelmäßig vor Ort unterwegs. Viele von ihnen setzen sich schon seit Jahren (ehrenamtlich und komplett privat organisiert!) für die Tiere ein und konnten an manchen Orten bereits zeigen, dass sich die Population durch gezielte Maßnahmen deutlich und nachhaltig verkleinern lässt.
Diese Arbeit ist oft alles andere als romantisch. Man krabbelt durch Dreck, Matsch und an die unschönsten Orte, um an Nester zu gelangen. Nur um Eier zu tauschen: vorsichtig, respektvoll und mit dem Ziel, weiteres Leid zu verhindern.
Doch wir stoßen immer wieder an Grenzen: Viele Nistplätze, wie die an der Bahnhofs-Unterführung, sind unerreichbar. Genau dort entstehen die größten Probleme, die dringend Lösungen brauchen.
Brutdruck, Kontrolle und echte Lösungen
Stadttauben haben einen sogenannten Brutzwang. Das bedeutet: Sie hören nicht einfach auf zu brüten, nur weil die Bedingungen schlecht sind. Im Gegenteil: sie versuchen immer wieder, Nachwuchs großzuziehen, selbst an den gefährlichsten Orten.
Ohne Kontrolle führt das zu einer ständigen Vermehrung und damit zu mehr Leid: mehr kranke Tiere, mehr verletzte Tiere, mehr tote Küken. Dazu kommt die schlechte Ernährung. Da Fütterungsverbote ausgesprochen werden, können sich Stadttauben nicht artgerecht ernähren, sondern müssen nehmen, was sie finden können: Pommes, Döner und Brötchenreste.. nichts was eine Taube braucht, um gesund zu sein.
Der Eiertausch ist eine bewährte, tierschutzgerechte Methode, um genau das zu verhindern. Hunger und Leid. Doch er funktioniert langfristig nur dann gut, wenn es Orte gibt, an denen die Tauben gezielt hingehen: betreute Taubenschläge.
Warum Taubenschläge so wichtig sind
Ein betreuter Taubenschlag bietet den Tieren einen sicheren Ort zum Brüten. Dort können Eier kontrolliert getauscht, die Tiere versorgt und die Population nachhaltig reguliert werden.
Gleichzeitig hilft ein solcher Ort auch, Verschmutzungen an anderen Stellen zu reduzieren. Denn Tauben weichen in ihrer Not auf ungeeignete Orte aus – Brücken, Fassaden, Unterführungen – einfach, weil sie keine Alternative haben.
Ein Taubenschlag ist also kein „Anlocken“ von Tauben, sondern eine Art Umleitung und Lösung: für Mensch und Tier.
Deshalb ist es mir ein großes Anliegen, auf die Petition aufmerksam zu machen, die genau das für den Bietigheimer Bahnhof fordert: eine konkrete, langfristige und tierschutzgerechte Verbesserung der Situation.
Denn leider sind Verantwortliche in Politik und Gemeinde derzeit nicht interessiert an einer tierschutzgerechten Lösung oder sie haben falsche Auskünfte zu vorgestellten Modellen erhalten.
Ohne Hilfe können wir jedoch am Bahnhof nichts ausrichten, außer immer wieder abgestürzte Küken und verletzte Tauben zu sichern. Das Päppeln und Versorgen (vor allem sehr hohe Tierarzt kosten) so vieler Tiere ist eine enorme finanzielle, aber auch emotionale Belastung für alle.
>> Zur Petition <<
Kunst als Zugang – und als Stimme
Neben der Aufklärungsarbeit ist meine Kunst ein wichtiger Teil von „Taubenblicke“.
In meinen Zeichnungen versuche ich, den Tieren das zurückzugeben, was ihnen oft abgesprochen wird: Würde, Individualität und Schönheit.
Ergänzend dazu teile ich auch Fotografien aus unserer Arbeit – vom Eiertausch, von geretteten Küken, aber auch von der Realität vor Ort. Dazu gehören bewusst auch Bilder von verletzten oder verstorbenen Tieren, die ich in einer Galerie zugänglich mache. Nicht, um zu schockieren, sondern um ehrlich zu zeigen, was sonst verborgen bleibt.
Einladen statt verurteilen
„Taubenblicke“ soll kein Ort der Anklage sein, sondern ein Raum für Verständnis und neue Perspektiven.
Mir ist wichtig, Menschen mitzunehmen, Zusammenhänge zu erklären und einen respektvollen Blick auf diese oft missverstandenen Tiere zu ermöglichen.
Denn wer einmal wirklich hinschaut, erkennt schnell: Diese Tiere brauchen keine Abwehr – sondern Verantwortung.
Folge uns daher gerne auf Instagram und Facebook und bekommt mehr Einblicke in unsere Arbeit. Kasse euch von diesen wunderbaren, faszinierenden Vögeln verzaubern!






























